20141006_162836

Mit Stena Line nach London: Von Hoek van Holland nach Harwich

Das war sie also, meine erste Stena-Line-Schiffsreise. Und ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert – gerade die Barrierefreiheit war exzellent. Auch wenn es “nur” eine Fähre war, kam schon ein klein wenig Kreuzfahrt-Feeling auf. Kinderecke, verschiedene Restaurants, Bar, Kino oder bordeigener Basketballplatz – die Fähre von Hoek van Holland nach Harwich lässt für die kurze Fahrzeit wenig Wünsche offen. Solltet ihr euch für diese Strecke interessieren, findet ihr hier einen genaueren Erfahrungsbericht:

Die Planung

Es war endlich so weit: Seit Wochen wartete ich gespannt auf diesen Tag, und nun war er also da! Vielleicht sollte ich euch erst einmal einen kleinen Überblick über meine Reiseplanungen geben:

Geplant war, dass wir mit dem Auto nach Hoek van Holland, von hier aus dann mit der Stena-Line – Fähre nach Harwich und von dort aus mit dem Direktzug von Harwich Int. nach London Stratford fahren. In London wollten wir einige Tage verbringen. Die Rücktour war ähnlich geplant, allerdings sollte der Zug am Liverpool Street-Bahnhof starten und um Geld zu sparen, sollten wir in “ Manningtree” den Zug nach Harwich Int. wechseln.

Die Reiseroute der Stena Hollandica

Die Reiseroute der Stena Hollandica

Die Hinfahrt

Die Anreise zum Hafenterminal von Stena-Line in Hoek van Holland war dank Navi sehr einfach. Da die Fähre um 22:30 Uhr starten sollte, mussten wir bis spätestens 21:45 Uhr eingecheckt haben. Als wir das Terminal erreichten, bekamen wir den ersten Schrecken: Genau in dem Moment als wir gerade parken wollten, sahen wir ein Schiff der Stena-Line ablegen und wegfahren. In mir breitete sich Angst aus: “Haben wir uns mit der Zeit versehen? Ist das ein Druckfehler auf meinen Tickets? Was ist, wenn das unsere Fähre war?” Nachdem wir unsere Reiseunterlagen noch einmal überprüft hatten, ging es dann endlich ins Terminal und wir konnten ohne Probleme einchecken. Beim Check-In mussten wir unsere Reiseunterlagen sowie unsere Personalausweise vorzeigen – und bekamen daraufhin direkt unsere Kabinenkarte ausgehändigt.

Das Stena Line Terminal in Hoek van Holland

Das Stena Line Terminal in Hoek van Holland

Nach einem gefühlten Kilometer durch verschiedene Gänge erreichten wir endlich die Fähre, die viel größer als erwartet war! Ich kannte bisher nur die Fähre von Calais nach Dover, doch die Stena Hollandica war deutlich größer. Nachdem wir dann auf dem Schiff angekommen waren, fuhren wir erstmal auf Deck 10, wo unsere Kabine lag.

Nachdem wir unsere Zimmerkarte ins Schloss gesteckt hatten – öffnete sich die Kabinentür von selbst. Ich muss zugeben, dass ich von der Kabine positiv überrascht war. Besonders das Bad war sehr geräumig. Im Hinblick auf die Kabine möchte ich noch einmal betonen, dass die neuen Fähren von Stena-Line wirklich NICHTS mit den Fähren gemeinsam haben, die man noch von früher kennt. Nachdem wir also unsere Kabine begutachtet und unser Gepäck verstaut hatten, ging es auf Entdeckungstour.

Unsere Rollstuhlgereche 1-2 Personen Kabine

Unsere Rollstuhlgereche 1-2 Personen Kabine

Unsere erste Station war der Stena-Line-Shop. Dieser ist im Grunde keine Besonderheit, und bietet alles das, was man hier erwarten würde: Verschiedene Spirituosen, Süßigkeiten in besonders großen Verpackungen und sonstige Souvenirs. Weiter ging es Richtung Außendeck “Sonnenterrasse”. Wir waren wirklich erstaunt, als wir realisierten wie weit wir schon von der Küste entfernt waren. Gerade im Inneren des Schiffs ist der Lautstärkepegel sehr gering und dadurch ist die Atmosphäre überaus angenehm. Mittlerweile war es 23:15 Uhr und wir gingen müde und erschöpft auf unsere Kabine. Nachdem wir am nächsten Morgen sogar geweckt wurden, hieß es Sachen packen und ab zum Fahrstuhl. Das “Auschecken” lief reibungslos und zügig. Nachdem wir die Passkontrolle hinter uns gebracht hatten, ging es zum Bahnhof “Harwich International”. Das Gute ist hierbei, dass dieser direkt am Fährenterminal liegt. Weil ich beim Einsteigen in den Zug Hilfe benötige, musste ich diese vorher bei der National Railway beantragen. Das lief alles problemlos.

Die Rückfahrt

Unser Wecker klingelte um 4:30 Uhr. Da wir möglichst nah am Bahnhof übernachten wollten, hatte ich mich hier für die Travelodge Liverpool Street Station entschieden, die ich wirklich empfehlen kann. Das Rollstuhlgerechte Zimmer war sehr geräumig. Bis zum Bahnhof waren es keine 10 Gehminuten. Unser Zug ab London Liverpool Station sollte um 6:00 Uhr starten. Geplant war es, einmal in Manningtree umzusteigen – das war alles auch so bei der Servicestelle für besondere Hilfeleistungen der Zuggesellschaft beantragt worden. Als wir uns also um 5:40 Uhr beim Infopoint meldeten, begleitete uns ein Angestellter des Bahnhofs zum Zug. Hier angekommen guckten uns zwei Schaffner ungläubig an. “Sie wollen wirklich nach Harwich International?” fragte mich einer der beiden erstaunt. “Sie wissen aber, dass sie in Manningtree umsteigen müssen?! Wenn ich ihnen einen Rat geben darf, machen sie das nicht. Nehmen sie den Direktzug in 40 Minuten. Wer weiß ob in Manningtree überhaupt jemand auf sie wartet…” Diese Aussage machte mich erstmal baff. Als ich damals die Zuglinie ausgesucht hatte, war ich auch auf den Direktzug gestoßen. Das Problem hierbei war allerdings, dass er erst 8 Minuten vor Ende des Check-Ins der Fähre in Harwich ankommen würde. In diesem Moment ging mir alles Mögliche durch den Kopf – vor meinem inneren Auge sah ich die Fähre direkt vor unserer Nase abfahren. Was sollte ich nun machen: Den ersten Zug nehmen und damit riskieren in Manningtree festzusitzen? Oder doch Zug Nummer 2 – der mit etwas Verspätung möglicherweise zu spät am Hafen wäre. Nachdem mir die Schaffner versicherten, dass mein Ticket auch für den Direktzug gültig sein würde – entschied ich mich für ihn. Nach etwa 30 Minuten, holte uns wieder ein Angestellter des Bahnhofs ab und brachte uns zum Zug. Die Bahnfahrt verlief reibungslos. Die Zugfahrt war dann sogar noch ein Highlight auf unserer Reise. Auf der Fahrt durch die kleinen, typisch englisch wirkenden Dörfer, sah ich wohl den schönsten Sonnenaufgang, den ich bisher erlebt habe.

Ein traumhafter Sonnenaufgang bei der Zugfahrt nach Harwich International

Ein traumhafter Sonnenaufgang bei der Zugfahrt nach Harwich International

Nach ca. 1 1⁄2 Stunden erreichten wir dann pünktlich Harwich International. Als wir ankamen, wartete eine freundliche Mitarbeiterin auf uns und half uns beim Aussteigen. Und das Beste: Wir waren pünktlich! Nachdem wir also eingecheckt hatten und schließlich auf dem Schiff angekommen waren, fiel mir erst einmal ein Stein vom Herzen. Auf dem Weg zur Kabine, merkten wir schnell, dass es nicht dieselbe wie auf unserer Hinfahrt war. Beim Öffnen der Kabinentür waren wir dann wirklich erstaunt: Es handelte sich um eine Außenkabine – allerdings nicht barrierefrei. Ich entschied mich die Kabine trotzdem zu behalten. Ich wollte unbedingt das Auslaufen aus dem Hafen beobachten – außerdem passte mein Rollstuhl ins Zimmer.

Die 4 Personen Kabine mit Meerblick

Die 4 Personen Kabine mit Meerblick

Nach einiger Zeit machten wir uns auf in Richtung “Sonnenterrasse”. Der Anblick des Meeres war einmalig – schwer zu glauben wie weit wir schon wieder von der Küste Englands entfernt waren. Mir wurde es allerdings aufgrund des Windes sehr schnell zu kalt und so gingen wir in den vorderen Teil des Schiffs. Wir suchten uns ein Plätzchen am Fenster und beobachteten die in der Ferne zu sehenden Windparks und Schiffe.Ich versuchte mich ins W-Lan-Netz einzuloggen, welches übrigens auf dem ganzen Schiff kostenlos zur Verfügung steht. Nach einigen Versuchen klappte es dann schließlich auch. Hier sollte man allerdings wirklich keine Wunder erwarten – die Verbindung ist sehr, sehr langsam. Da wir vor Beginn der Reise ein “2-Gänge-Menü” im “Metropolitan” A-la-Carte-Restaurant gebucht hatten. Bei einem 2-Gänge-Menü kann man sich aussuchen, ob man Vorspeise und Hauptgang oder Hauptgang und Dessert haben möchte. Hier findet ihr eine Übersicht darüber,was zur Auswahl stand:

Vorspeise:

  • Tomatensuppe
  • Hühnersuppe
  • Rinder Carpaccio
  • Gebackener Camembert

Hauptgänge

  • Mais-Hühnchenbrust in einer Estragon-Sahne-Soße mit grünem Spargel,
  • Zuckererbsen und neuen Kartoffeln
  • Gegrillter Lachs mit verschiedenen Gemüsesorten, neuen Kartoffeln und einem Dill-Crème-Fraîche-Dip
  • Tagliatelle in einer Käse-Sahne-Soße, mit frischen Kräutern, Zucchini und Cherry-Tomaten
  • Hausgemachter Hamburger mit Brioche-Brötchen, umhüllt von Bacon, mit  einer Spezialsoße, Coleslaw und Pommes

Dessert

  • Crème Brûlée
  • Vanilleeis
  • Apfelkuchen
  • Käsekuchen

Im Großen und Ganzen war das Essen lecker. Auch der Preis ist in Ordnung – Getränke werden allerdings extra berechnet. Nach dem Essen ging es dann für einen kleinen Mittagsschlaf auf die Kabine. Um 15:30 Uhr wurden wir dann allerdings geweckt: Die Stena Hollandica sollte in etwa einer Stunde in Hoek van Holland einlaufen! Wir packten also in Ruhe unsere Sachen und begaben uns wieder auf Deck 9. Nachdem wir dann das Einfahren in den holländischen Hafen durch die Fenster beobachtet hatten, ging es zurück an Land. Am Parkautomaten wurde die, wie ich finde günstige, Parkgebühr bezahlt: Wir zahlten von Donnerstagabend bis Montagabend insgesamt 25€.

Fazit:

Alles in allem war das ein tolles Erlebnis und gerade für alle Kreuzfahrt/Schiffsreise-Interessierten eine perfekte Möglichkeit um einfach mal in dieses Thema reinzuschnuppern. Insbesondere für alle Rollstuhlfahrer kann ich diese Art zu reisen wirklich nur empfehlen. Das ganze Schiff ist absolut behindertengerecht. Und auch die Britische Bahn (National Railway) habe ich als sehr zuvorkommend und freundlich erlebt!

Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Stena Line bedanken: Sie haben mir die Überfahrt inkl. Kabine und Mittagessen für mich und meinen Begleiter bereitgestellt.


 

Solltet ihr nun Lust auf eine Stena Line Mini-Kreuzfahrt nach England bekommen haben – dann probiert es doch einfach mal aus!

 



Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.